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Rasseinfos
Geschichte

DIE SCHWEIZER SENNENHUNDRASSEN

Das Mutterland der Berner-, Appenzeller-, Großen Schweizer und Entlebucher Sennenhunde ist unser Nachbarland, die Schweiz.

In alten kynologischen Schriften ist zu lesen, daß die Sennenhunde von Molossern abstammen, deren "kynologische Wurzeln" in der Tibetdogge liegen, die im vierten vor christlichen Jahrhundert als Molosserhund" von Alexander dem Großen in den griechisch-römischen Kulturkreis eingeführt wurde.

Mit den römischen Heeren seien die Molosser - teils als schwerer Wach- und Schutzhundschlag, teils als leichterer Hüte- und Treibhund - vor mehr als 2000 Jahren über die Alpen in die Schweiz gebracht worden und hätten sich dort seither über die Jahrhunderte erhalten.

Die Kynologen Strebel, Bergmüller, Keller, Kobler, Tschudi z. B. hängen dieser Theorie an.
Dennoch muß eine solche Darstellung wohl in das Reich der Fabeln verwiesen werden. Daran ändert auch die Tatsache nichts, daß sogar Prof. Heim diese Ansicht vertrat und davon überzeugt war, die Sennenhunde seien entsprechend alte, über die Jahrhunderte rein gezüchtete Rassen.
Heute darf als erwiesen gelten (was schon Studer, von Stephanitz, Scheitlin und auch Frank Behrens ähnlich sahen), daß die "römische Molosserlegende" nicht stimmt, daß die Römer nur vereinzelt Hunde mitbrachten, und bereits vor ihrer Zeit relativ große Hunde nördlich der Alpen gehalten wurden.

Aus diesen autochthonen Ahnen, von denen vielleicht sogar einige in Gegenden südlich der Alpen gebracht wurden, haben sich die Vorfahren unserer Sennenhunde entwickelt; es mag ja sein, daß auch "römisches Molosserblut" in winzigen homöopathischen Dosen in den Sennenhunden fließt - und wenn nicht, macht diese kynologische Lesart zumindest einen glaubhaften Sinn und beruhigt all diejenigen, die um keinen Preis von den "Römerhunden" lassen wollen ...

Wirkt es nicht ungemein sympathisch, wenn Prof. Heim, der auch zeitlebens Neufundländerfreund war, 1933 rückblickend - etwas selbstkritisch - vermerkte: "Erst in den Jahren 1895 bis 1910 ist uns Schweizern ein Licht darüber aufgegangen, daß wir, in unserem Lande noch unbeachtet, einige andere, uralte, ganz einheimische, herrliche Hunderassen besitzen... Als ganz gewöhnlich blieben sie unbeachtet... Es war höchste Zeit, sie zu erkennen ... und ein Werk ... des Heimatschutzes an ihnen zu vollbringen."

Dieses Werk ist Prof. Heim und seinen Mitstreitern bravourös gelungen: Wenn es auch nicht die alten "Römer" waren, die sie weiterzüchteten, wenn auch wegen dieser Perspektive sogar der Blick für die Verwandtschaft der Sennenhunde zum Bernhardiner verstellt war, daß sie aus der uneinheitlichen Vielfalt alter Bauern(hof)-, Metzger- oder Viehhunde von durchaus bodenständiger Herkunft erbfeste Stämme unserer Berner, Appenzeller, Großen Schweizer und Entlebucher schufen, muß als kynologische Glanzleistung gewertet werden. Wie tatkräftig Prof. Heim (1849-1937) an der Erarbeitung der Standards, der gegenseitigen Abgrenzung der vier Schweizer Sennenhundrassen und an den Clubgründungen in deren Mutterland mitbeteiligt war, kann der interessierte Leser den rassespezifischen Darstellungen in der SSV-Broschüre DIE SCHWEIZER SENNENHUNDE entnehmen.

S. Muthsam