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Sennenhundfreunde Ortenau e.V.

Zughundearbeit

Hier erfahren Sie einiges über die Zughundearbeit

 

Geschichtlicher Hintergrund

Zughunde haben eine Jahrtausendealte Tradition, ja sind überhaupt die ältesten Zugtiere, denen sich der Mensch bediente. Sie sind ein Teil der Menschheitsgeschichte. Die erste Erwähnung von Hunden als Zugtiere geht auf das Jahr 250 vor Christus zurück. Die ersten Zughunde waren wohl die Schlittenhunde. (Felsenzeichnungen aus der Jungsteinzeit - Bronzezeit Schwedens bezeugen dies).

Um 1900 gab es noch um die 100 000 Karrenhunde, welche die Bevölkerung mit vielen Waren versorgten. Später wurden die Tiere auch im Krieg eingesetzt, jedoch auch hier nur um Materialien zu transportieren. Im Gegensatz zu Schlittenhunden die im Rudel vor den Schlitten gespannt, wenig Last aber mit Tempo auf langen Strecken eingesetzt werden, zieht der Zughund den Pferden ähnlich, einen Wagen durch Stadt und Land, geführt nur durch Zuruf.

Zughunde waren schon immer sehr kräftige Tiere, mindestens 50 cm hoch und 30 kg schwer, meist waren es Mischlinge bis hin zu den Sennenhunden, Bernhardinern, Rottweilern, Hirtenhunden, Doggen etc. 

 

Was ist Grundvorraussetzung für die Arbeit eines Zughundes und wie Arbeiten wir?

 

Es sollten bei dem Hund die Hüften, Schultern und Ellenbogen von einem Tierarzt auf Eignung geprüft werden. Dies erfolgt durch eine Röntgenuntersuchung, welche ab einem Alter von 12 Monaten durchgeführt werden kann. Die Schulterhöhe der Tiere muss mindestens 50 cm betragen und die Tiere müssen ein Gewicht von mindestens 30 kg aufweisen.

Der Grundgehorsam ist Vorraussetzung, zumindest sollte eine der folgenden Prüfungen abgelegt sein:  Gerhorsamsprüfung I oder II, welche man bei einer Landesgruppe des SSV e.V. ablegen kann, oder die Begleithundeprüfung. 

Das Mindestalter des Hundes beträgt 18 Monate, bevor er als Zughund regelmäßig vor einem Wagen mit Beladung eingesetzt werden kann, das Höchstalter 8 Jahre. Jedoch kann man bereits im Welpenalter mit den ersten Grundübungen beginnen, wie z.B. ein  Geschirr anlegen oder den Hund an die Geräusche des Wagenziehens gewöhnen, in dem man ihn neben einem Wagen herlaufen lässt. Ab dem Alter von 12 Monaten darf der Hund einen kleinen Reifen mit einem Gewicht von etwa 2 kg hinter sich herziehen. Das sind die ersten echten Zugübungen für den Hund. Danach erfolgt die Gewöhnung an die Deichsel. Dies ist ein sehr schwieriger Übungsteil, da ein Hund hier leicht in Panik geraten kann, wenn er an beiden Seiten von den Landen eingeengt wird. Hier ist es besonders wichtig, das Hund und Mensch ein Team sind, den nur so lernt der Hund seinem Führer auch in dieser für ihn äußert schwierigen Situation zu vertrauen. Ist auch diese Hürde geschafft, erfolgt das erste Anspannen an den Wagen mit Ziehen. Auf keinen Fall darf der Wagen beladen werden, noch darf die Strecke länger als 20 Meter sein. Der Hund sollte immer mit Freude bei der Arbeit sein.  Hier auch eine große Bitte von uns:

"Spannen Sie niemals einen ungeübten Hund einfach vor einen Wagen und ziehen los!"

Diese genannten Übungen werden langsam immer weiter ausgebaut. Es wird auf verschiedensten Untergründen geübt, ein Wagen läuft über Grasboden schwerer als auf einem geteerten Fußweg! Weiterhin üben wir mit unseren Hunden ganz unterschiedliche Alltagssituationen, wenn er eingespannt ist. Dies wären z.B. Lärm, sich seltsam bewegende Menschen, das Passieren anderer Hunde. Einfach um den Tieren Sicherheit zu vermitteln und der Hundeführer kann sich auch so ein Bild machen, wie reagiert sein Tier auf diese Situation am Wagen eingespannt.

Die Arbeitszugleistung eines trainierten Zughundes kann das 3-4fache des Körpergewichtes vom Hund betragen. Ein 50 kg schweres Tier kann also ohne Probleme ein Gewicht von 150-200 kg ziehen. Natürlich sollte die Zugarbeit eines ausgebildeten und trainierten Zughundes nicht länger als 2 Stunden betragen, und nach diesem Zeitraum muss mindestens eine 30minütige Pause erfolgen. Auch darf der Hund nicht ohne ein konditionelles Training vor den Wagen gespannt werden. Jeder Zughundeführer sollte sich darüber im Klaren sein, das sein Hund somit mindestens 2-3 mal pro Woche eine ½ Stunde „trainiert“ werden muss. Dies kann in Form von Schwimmen, am Fahrrad laufen aber auch dem  Anspannen am Wagen erfolgen.  

Ab einer Lufttemperatur von 22 Grad sollte der Hund nicht mehr vor den Wagen gespannt werden, was aber eigentlich selbstverständlich sein sollte.

 

Ist die Zughundearbeit Quälerei?

Tierärztliche Untersuchungen von Zughunden fanden zuletzt 2003 im Raum Berlin statt. Diese Untersuchung sollte zeigen welche körperlichen Leistungen ein Zughund nachweislich erbringen kann ohne überlastet zu werden. Ebenso wurde nachgewiesen, das bei einem Hund mit Hüftbeschwerden, durch das Wagenziehen ein Therapieeffekt entsteht, da die Muskulatur dementsprechend aufgebaut wird. Wichtig ist das bereits mehrfach erwähnte Training der Tiere. Aber man beginnt ja auch nicht gleich mit einem Marathonlauf, wenn man gerne Laufen tut.

In unseren Nachbarländern,  den Niederlanden, Belgien, Österreich aber besonders in der Schweiz wird die Zughundearbeit schon seit längerem wieder aktiv betrieben. In Deutschland gewinnt diese Beschäftigungsart langsam wieder an Bedeutung. In der Schweiz werden jährlich Zughundeprüfungen von den Emmentaler Bernhardinerfreunden durchgeführt. Diese Prüfung verlangt ein hohes Maß an Geschicklichkeit von Hund und Herrchen beim Fahren im Gelände oder dem Parcour.

Hund und Mensch sollen durch diese Sportart eine sinnvolle und gesundheitsfördernde Freizeitbeschäftigung finden, die beiden Spaß macht. Die Hunde sollen auf keinen Fall gesundheitlich überfordert werden - ganz nach dem Leitspruch von Albert Heim, dem Begründer der Schweizer Sennenhunderassen:

"Kein Hund bleibt solange fit, freudig und gesund, wie ein richtig gehaltener Zughund."

 

Wenn Sie Fragen zu unserer Arbeit haben, Informationen zu den Zugwägen oder Geschirren benötigen, so scheuen Sie sich nicht, uns zu kontaktieren. Oder noch viel besser, Sie kommen einfach einmal zu einem unserer Treffen oder besuchen uns auf einer der vielen Vorführungen.